Europa

DER VINSCHGAU

Nach unserer Chaletwoche mit Pauline und Matthias ging es für uns zu zweit weiter. Wo ist der Schnee, wie ist das Wetter, wo wollen wir hin? Das sind die großen Fragen, die die ganze Zeit über uns schweben. Über Airbnb haben wir für die nächsten Arbeitstage eine neue Unterkunft gesichert: Glurns. In der kleinsten Stadt Italiens residieren wir im ehemaligen Wachturm der Stadt.

Das ist eine neue Erfahrung für uns. Hatten wir in den Jahren zuvor im Winterurlaub stets zehn Tage Zeit für An- und Abreise plus Skifahren, wollten wir immer in Bergnähe übernachten. Dieses Jahr haben wir deutlich mehr Zeit und einen anderen Rhythmus. Wir wissen, dass für zweieinhalb Tage nix läuft. Mit diesem Arbeitsalltag kommen wir in ganz andere Orte und Gegenden, die wir ohne die Notwendigkeit des WLANs nie gesehen hätten. Hier ist es also Glorenza im Vinschgau, Südtirol.

„In Glurns kommt man nie zu spät!“, sagt Karl. Alle Wege haben in der 880 Einwohner großen Stadt eine maximale Distanz von fünf Gehminuten. Mit Anna und Karl buchen wir uns das erste Mal bei Leuten ein, die nur ein Zimmer in ihrer eigenen Wohnung anbieten. Ein neues Experiment, das sich total gelohnt hat! Wir erleben Tage des Schlemmens italienischer Köstlichkeiten, Schnäpse und Weine, selbstgebackenes Vinschgauer und die Eigenernte der Oliven. Wir erfahren, wie wichtig es den Menschen in dieser Region ist, lokale Produkte zu erwerben, beim Bauern nebenan Notwendiges zu erhalten und wenn es etwas nicht gibt, dann gibt es das eben nicht.

Ihre gute Freundin Irene bringt uns die Palabirne näher. Diese alte Birnensorte gibt es nur im Vinschgau und im Winter nur getrocknet im Brot. Sehr lecker auf dem Berg! Irene erklärt sehr gut, wie wir die Lebensstimmung in dieser Region erfahren: „Wir haben so ein Glück, dass wir im Vinschgau leben dürfen. Wir haben genug Geld, gutes Essen und mir macht es Spaß Tagesveranstaltungen für Leute zu organisieren. Da brauch‘ ich doch kein Geld für nehmen.“ Im Vinschgau bringt man immer den anderen was mit – wir haben auch ein Glas selbst geerntete Oliven zum Abschied mit auf den Weg bekommen! Diese Lebensweise erfreut mich und bringt mich zeitgleich zum Nachdenken. Ich muss die ganze Zeit ans Erzgebirge denken. Kontrastprogramm. Liegt das nur am Geld?

Keine Touristen in Glurns wegen der Jahreszeit bringt nicht nur leere Gassen, sondern auch geschlossene Schlösser und Museen mit sich. Auch öffnen einige Lädchen erst im Frühjahr, wenn die Touristen in die Stadt strömen. Annas Secondhand-Laden hat das ganze Jahr über geöffnet. Gerne kommen Hotelbesitzer und Gastronomen zu ihr und hoffen neue Dekorationselemente aus alten Zeiten zu erhaschen. Nun ja, dann erfolgt die Bildungsreise zu einem anderen Zeitpunkt!

Weiter ging es nach St. Valentin auf der Haide am Reschensee. Während wir auf unserer Tour zur Seebodenspitze waren, sahen wir ein Foto unseres parkierenden Autos in der Freundes-Chatgruppe. Na hui! Sarah war mit ihrer Familienbande tatsächlich im selben Skigebiet unterwegs! Sie wohnen im Kachonhof und Heidi lässt uns auf dem Parkplatz im Auto übernachten. Eine wirklich super sympathische Frau, auch Sarahs Familie ist sehr lustig und es gibt viel zu lachen.

Natürlich planten wir bei Kaffee und Kuchen am Nachmittag gemeinsame Touren. Mit dem Äußeren Nockenkopf warteten wir noch ein wenig, denn Jakob aus dem Erzgebirge gesellte sich am Wochenende zu uns. Bis dahin liefen wir abseits der Skipisten zur Bruggeralm und genossen die Sonne. Am Samstag war es dann endlich soweit – alle viere am Start Richtung Nockenkopf. Es war wie immer ganz schön glatt und nur zwei Personen hatten ausgeschlafen: Sarah und Jakob. Maik und ich haben mit Sarahs Eltern eine Rum-Verkostungstour gemacht, die auf dem Weg zur Äußeren Nockenspitze zumindest bei mir nachwirkte. Ich konnte nicht mehr. Schon am Anfang. Nach 200 Höhenmetern musste ich erst einmal was essen. Irgendwie bin ich mit den anderen da hinaufgepurzelt, beim Gipfelfoto musste ich sitzen.

Der Gipfel selbst tat gut. Denn bisher hieß diese Skiwoche nur ‚Abbruch-Woche‘. Die Seebodenspitze haben wir nie erreicht. Auch die Tage vorher waren wir im Langlauferer Tal unterwegs und haben nach ein paar Kilometern den Rückweg vorgezogen. Später in Italien, werden wir am Splügenpass den Piz Tamborello kurz vor Spitze ‚sehen‘ und ‚Tschüssi‘ sagen. Grund: ich rutsche. Rückwärts mit Fellen. Die Schneebedingungen sind eher Eisbedingungen. Auch mit Harscheisen komme ich nicht weiter. Ich recherchiere meine superleichten neuen Felle aus Amerika im Internet – sie seien bekannt für diese unsinnige Eigenschaft.* Ab dann steige ich auf meine alten Ski mit gefühltem Langhaarfell um. Das Aufsteigen wird dadurch leichter, aber die Abfahrten nicht besser. Doch dazu später mehr.

*Rein zufällig verkaufe ich G3-Felle, zugeschnitten auf den Völkl 90Eight (133–98–116) in der Größe 159-169 cm. Bei Interesse bitte melden.

Fotos von Maik & Jana, Sarah und Jakob

  1. anna pohl

    Herrlich, wie Ihr das alles beschreibt, wir sind gern dabei bei Euren Reisen!

  2. Caro

    Sehr schöne Fotos, sieht nach einer tollen Zeit aus! Aber was zur Hölle ist Vinschgauer?? Kann man das essen oder habe ich da was falsch verstanden? 🙂

    • Kommentar des Beitrags-Autors

      Jana

      Liebe Caro, wir hatten wirklich eine super Zeit im Vinschgau! Ja, Vinschgauer sind herzhafte Brötchen mit Koriander, Fenchel und vor allem Klee. Schmecken super lecker und gibt’s hier und da auch in Leipzig. Im Original sehen sie etwas flacher aus als unsere Brötchen und werden meist paarweise angeboten.

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