Europa

BEI WIND UND WETTER

Wir sind in die Schweiz zurück, weil wir uns auf die Ski stellen wollten, schließlich haben wir Leipzig für zwei Monate verlassen, um Skitouren in den Alpen zu gehen. Haben wir die Saison verfehlt oder das falsche Jahr erwischt? Der Wetterbericht sagt, die Ostalpen haben spitzen Bedingungen, nun, da sind wir aber gerade nicht! Wollten wir ursprünglich immer weiter Richtung Westen, um in Frankreich herauszukommen, rutschen wir nun ganz schön oft zwischen der Schweiz und Italien hin und her.

In Brig war das Wetter ‚ganz nett‘, auf den Berggipfeln konnte man dafür die letzten Tage schon große und weiße Schneefahnen beobachten. Der Wind versuchte in dieser Region neue Rekorde aufzustellen. Lösung: Klettern und Sauna. Wer hätte es gedacht – wir sind über den Pass zurück nach Italien! Keine 20 Kilometer weiter südlich bei Crevoladossola, so zwei bis drei Bergspitzen nach dem Simplon, herrscht Windstille, Frühling, 17 Grad und Sonne. Die Frühblüher sprießen, Vögel zwitschern, Bäume treiben Knospen aus, man möchte … . Es gibt wieder herrlichste Granitreibung.

Dafür, dass wir in Leipzig stehend darüber nachgedacht haben, ob wir das Kletterzeug überhaupt brauchen werden, sagt unsere Statistik, wir müssten mal ‘ne Skitour gehen. Jetzt frage ich mich, wo ist das Paddelboot im Auto versteckt und wer hat doch gleich den Fahrradanhänger in Leipzig vergessen?!?

Dank des Saunabesuches steht uns noch eine schöne Sache ins Haus: Unser erstes Raclette auf dieser Reise! Alexandru, der Saunameister, hat uns zu sich nach Hause eingeladen. Ursprünglich aus Rumänien, wohnt er bereits seit über vier Jahren im Wallis. Er kennt alle seine Saunagäste – Maik & ich waren beim Aufguss die Neuen, die müssen erst einmal angesprochen werden 🙂

Trotz schönstem Sonnenschein in Italien und einem wohlig gefüllten Bauch stehen uns auch in dieser Woche wieder zweieinhalb Arbeitstage bevor. Wir haben großes Glück und dürfen noch einmal in die Hütte von Josi und Anna. Am Montag wollten wir, wieder am Simplon angekommen, zur zweiten Skitour ausrücken. Das mit dem Wetter hatte ich erwähnt, oder? 120 (!) Stundenkilometer Wind waren angekündigt. Wir können diese bestätigen! Um die Hütte tobte so ein Sturm, dass wir tatsächlich den ganzen Tag drin geblieben sind. Es ging so viel Holz durch den Ofen, wie sonst in einer Woche! Anna fragte per Telefon, ob unser Auto noch stünde. Wir haben es in einer Wind pausierenden Minute überprüft. Vom Auto zurück zur Hütte sind es um die 150 Meter. Die haben mich zehn Minuten gekostet. Immerhin war das Auto nicht zugeschneit, der Wind hat jede Schneeflocke davongetragen.

Vor der Hütte haben wir mindestens vier Mal Schnee geschippt, um überhaupt wieder hinauszukommen. Am Dienstag (schönster Arbeitstag) dann Sonnenschein, Windstille, hohe Temperaturen; das Auto glänzt blankpoliert in der Sonne. Wir treten vor die Hütte, kein Schnee in Sicht, feinster Steinboden rund ums Haus herum. Wir kommen uns verarscht vor – hat es den Montag wirklich gegeben?!?

Mittwoch: Der Orkan kommt zurück! Schnee schippen, Ofen zum Glühen bringen, Schibrille aufsetzen, um überhaupt etwas zu sehen. Das Auto Richtung Hauptstraße umparken, damit wir am Freitag wegkommen. Die eigenen Spuren nicht mehr finden, weil sie vom Wind sofort vernichtet werden. Leute, bleibt zu Hause! Am Freitag Morgen hat Maik gute zwei Stunden Schnee geschippt, um uns einen Weg Richtung Straße zu bahnen. Bis dorthin versanken wir bis zur Taille, auf der kleinen Zufahrtsstraße stapften wir durch einen halben Meter Naßschnee. Glücklicher Weise hat uns der Räumungsdienst von der Passstraße vor dem Auto den Schnee entfernt, sonst hätten wir dort erneut eine Stunde geschippt. Wirklich sympathisch, die Schweizer!

Wahnsinn, wie hier mit dem Wetter binnen eines Tages ein neuer Ort entstehen kann! Von grüner Wiese mit Sonnenschein und Schirmchen vor der Hütte zu Schippen, Heizen und Kontrollgang. Auch wenn wir diese Woche am Ende nur in der Hütte verbracht haben, war es eine super schöne Erfahrung! Außerdem: Wenn schon Hütte, dann eben richtig, oder?

Ob es schlimm sei einen Tag nicht am Felsen oder auf dem Berg zu sein – wie an diesem Montag, werden wir häufig gefragt. Gute Frage! Nun ja, die wilden Reisetage sind ja aktuell unser Alltag. Wir haben keinen ‚Druck‘ im Kopf wie in einem einwöchigen Urlaub. Also was wir in den nächsten vier-fünf Tagen schaffen ‚müssen‘, ehe wir wieder nach Hause fahren. Denn es folgen weitere Tage, gefolgt von noch mehr Tagen. Ob wir noch eine Woche länger in der entsprechenden Gegend bleiben wollen oder nicht, liegt schlicht nur an uns. Außerdem sind wir mit der Ortswahl sehr flexibel, da wir die Nicht-Arbeitstage wunderbar im Auto verbringen können.

Mit so einer Einstellung können wir auch an einem arbeitsfreien Montag in der Hütte bleiben und den Windsturm mit 120 Stundenkilometern und einer gefühlten Außentemperatur von minus 19 Grad gemütlich von Innen betrachten. Im Gegenteil – das fühlt sich in der Situation eindeutig besser an!

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