Europa

RACLETTE, FONDUE, RACLETTE

Am Freitag spülte uns der Simplon Pass erfreulicher Weise raus und wir konnten unsere Fahrt ins Nachbartal Lötschen antreten. Wir haben eine Woche auf der Lauchernalp in Andreas‘ Hütte geplant. Mit von der Partie ist Friedemann. Er kommt mit dem Zug aus Leipzig von der anderen Seite über Kandersteg an.

Maik hat Urlaub. Das heißt, sein Arbeitspensum sinkt von zweieinhalb Tagen auf null Tage, das ist sehr, sehr gut! Das Lötschental ist aber auch zu fein, als dass man hier arbeiten möchte. Und der reale Grund: Die Hütte hat kein Internet.

Am ersten Tag ist die Lawinenwarnstufe auf vier bis fünf hoch geschnellt, huch! Zum Eingewöhnen laufen wir die Piste hoch. Friedemann hat ein neues Splitboard – ein wirklich schickes Teil! Die Piste hochlaufen bedeutet bei der Lage von Hütte zu Skigebiet in der Regel, dass wir um die schwarze Piste nicht herumkommen. Sehr steil. Das bekommt man noch irgendwie hin, aber bei gefühlten vierzig Grad Sonne waren wir einfach nur fertig. Zumindest Friedemann und ich. Cremen, trinken, 20 Meter, dann Wiederholung. Vorsorge halft nicht, alle haben Sonnenbrand bekommen. Drei rote Nasen am abendlichen Tisch – wir sahen spitze aus!

Wettertechnisch ist der Lötschen ein anderes Land als der Simplon. Während es auf dem Simplon noch stürmte und wütete und die Temperaturen von Tag zu Tag keine Einigung finden konnten, wusste das Lötschental seine Gäste mit Sonne zu überzeugen. Auf dieser Höhe leider zu viel des Guten. Hattet ihr schon einmal Sonnenbrand auf den Unterseiten eurer Unterarme?!?

Am dritten Tag sind Maik und Friedemann zur Lötschenpasshütte ausgerückt. Ich habe einen Pausentag mit den Ibu-Freunden eingelegt, die Knie zerschießt es mir während der Sulzabfahrten im Gelände. Die Tourenski sind zu leicht und können den Schnee nicht ausreichend wegschieben, ein einziges Geeire den Berg hinunter. Zumindest fühlt es sich so an.

Wir glauben, dieses Jahr bereits das dritte Mal im Chalet zu sein. In alter Tradition steigen wir mit einem Racletteabend ein. Käsig geht es die Tage weiter. Fondue und Raclette lösen sich jeweils ab. Die Ski und das Splitboard müssen das aushalten.

Mit gefüllten Bäuchen erklimmen wir auch in diesem Jahr den Elwertätsch. Dabei startet Maik direkt an der Hütte per Pedes, Friedemann und ich nehmen bequem die Hockenhornbahn bis ganz nach oben und queren zum Einstieg der Tour über die Pisten.

Dieses Jahr gab es so viel weniger Schnee, als letztes, dass sogar der Gletscher vor dem Zielhügel freigelegt war! Maik hat so viel Energie, er spielt notgedrungen Chuck Norris und wartet die ganze Zeit auf Friedemann und mich. Dafür kann er die Aussicht sehr intensiv genießen und träumt schon beim Aufstieg von der Abfahrt 🙂

Der Blick vom Gipfel ist atemberaubend und wir wollen gar nicht gleich wieder runter. Im letzten Jahr stiegen wir auf den Elwertätsch bei minus 18 Grad. Da waren wir froh, dass wir es geschafft haben die Felle von den Ski abzuziehen und wieder heile runterfuhren. Dieser März möchte das wohl wieder gut machen.

Da wir sehr weit oben sind, gibt es auf der Abfahrt den bisher schönsten Schnee auf unserer gesamten Reise. Wir powdern den Berg hinunter und haben mega viel Spaß.

Zwischen den Skitouren versuchen wir unsere Schlittenskills aufzufrischen. Leider ist die Talabfahrt gesperrt bzw. nicht bis unten zu befahren und wir müssen den halben Weg zu Fuß zurück zur Hütte laufen. Das machen wir genau ein einziges Mal.

Unsere letzte Tour geht auf die Gitzifurka. Dieses Mal erlaufen wir sie nicht von der Hütte aus, da einfach zu wenig Schnee vorhanden ist, sondern von über das Hockenhorn. Also mit der Bahn auf das Hockenhorn hinauf, die Skiroute zur Lötschenpasshütte hinunter gefahren, auf die Gitzifurka hoch und wieder runter. Eine Runde Einkehr in die Hütte und wieder zum Hockenhorn hinaufgelaufen. Von dort fuhren wir dann final ins Chalet. Danach hat es auch kraftmäßig gereicht.

Wer mitgezählt hat, merkt, dass wir am Ende unserer Lauchernwoche angekommen sind. Friedemann ist wieder in den Zug gestiegen und Maik und ich haben uns langsam Richtung Zürich bewegt. Aber nur langsam mit ein paar Zwischenübernachtungen. Ihr werdet davon lesen.

Fotos von Maik & Jana und Friedemann

  1. Katja Berthold

    Wunderbar erfrischend geschrieben, liebe Jana! Mehr davon!!!

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