Europa

DIE BESUCHSWOCHE

Wir sind auf dem Weg nach Zürich, um Monika, Annik, Rahel und Andreas zu besuchen. Wenn wir es schon nicht schaffen auf der Lauchernalp zusammen zukommen, dann wenigstens auf der sich langsam ankündigenden Heimreise.

Doch es wäre nicht unsere Reise, würden wir den Direktweg wählen. Nein, wir haben Christian und Anna angeschrieben. Beide haben wir beim Klettern in Ponte Brolla kennengelernt und sie haben uns eingeladen, solle sich ihr Haus auf unserem Weg befinden. Tut es! Denn – rein zufällig – passieren wir auf dem Weg vom Lötschental nach Zürich die ruhige Stadt Spiez.

Dort eröffnet sich vor dem Stockhorn ein grünes Paradies: das Berner Oberland. Sanfte Hügel wellen sich von links nach rechts und andersherum und drum herum gibt es hohe Berge, die das Panorama perfekt machen. Wir sind mächtig beeindruckt und finden im kleinen Ort Spitz auch das Zuhause von Anna und Christian.

In Brig hatten wir mit Alexandru die Raclette-Saison eröffnet, im Berner Oberland ist es die Grill-Saison. Bei schönstem Wetter genießen wir die Aussicht und das wunderschöne Heim der beiden. Abends gesellt sich Robert, die Nachbarkatze, zum Durchkraulen zu uns und am Morgen haben wir aus unserem Zimmer den schönsten Ausblick auf das Stockhorn.

Nach einem lustigen Abend mit unserer neuen Kletterbekanntschaft, sind wir am Folgetag gemäß dem Motto wieder Klettern gefahren. Mit dem Skitouren haben wir offiziell im Lötschental abgeschlossen, denn besser als dort wird der Schnee in dieser Saison für uns nicht mehr.

Eigentlich wollten wir bei Interlaken eine Runde das Seil schwingen, aber von dort sind wir ziemlich schnell wieder abgedüst. Interlaken scheint seeehr beliebt. Seeehr viele Menschen verbringen auf seeehr kleinem Raum viiiel Zeit.

Dafür scheint es ein Paradies für Gleitschirmflieger zu sein. Über unseren Köpfen und vor den Bergpanoramen tummeln sich bunte Flecken am Himmel. Doch die vielen Menschen überall: am See, auf den Straßen, im Park und auf den Campingplätzen. Das packen wir nicht und fahren weiter – hallo Meiringen! Hier gilt Kontrastprogramm: Wir sind komplett allein am Berg! Dieses Angebot nehmen wir gerne an und freuen uns über die Ruhe und Entspannung am Fels.

Es ist wieder Montag – der Tag, an dem wir uns spätestens am Abend Richtung Unterkunft begeben, damit am Dienstag Morgen gegen 9 Uhr das Internet auf Maik warten kann. Voller Vorfreude fahren wir in Wetzikon ein und werden von Monika begrüßt. Es ist bei jedem Treffen das Gefühl da, als hätten wir uns erst vor kurzem gesehen, auch wenn es in Realität über ein Jahr her ist. Die Familie trudelt zu Hause ein und wir verbringen den Abend gemeinsam.

Tagsüber herrscht Coworking-Atmosphäre: drei Rechner und mindestens zwei Personen, die telefonieren. Dabei genießen wir einen herrlichen Ausblick auf die Berge. Abends werden wieder kräftig Reiseabenteuer ausgetauscht oder die Sauna Enge am Zürichsee besucht. Die ist der Hammer! Chillige Atmosphäre und Erfrischen im Zürichsee mit Panoramablick auf das Ostufer – das kann man gut aushalten.

Auch die schönsten Ausblicke haben ein Ende und wir nehmen wieder Kurs `gen Heimat auf. Nächste Station: Bregenz am Bodensee. Nochmal fix Klettern und zur Abwechslung einen Klettersteig mitgenommen und wieder ins Auto geschwungen.

Nun sind wir wieder in Deutschland. In der Frankenjura schlafen wir in vertrauter Umgebung. Leider war die Plecher Wand mit ihrer nordseitigen Expansion für Kletteraktivitäten zu kalt und ich hatte irgendwie genug vom K-Wort. Wer die obigen Absätze aufmerksam gelesen hat, kann das vielleicht nachvollziehen?!? Ich hatte auch keine Lust mehr den Felsen zu wechseln, ich wollte eigentlich nur nach Hause. Sonst habe ich kein Heimweh, nun war ich meinem eigenen Bett aber schon so nah, da wollte ich es dann doch wissen. Also steigen wir am Samstag Nachmittag ins Auto und fahren … nach Hause.

Abschlussgedanken

Diese zwei Monate Alpentour waren nicht nur ereignisreich, entspannend und unglaublich schön, sie haben für uns das gemeinsame Reisen in eine neue Dimension geführt.

  • Wir haben mehr Kontakt zu und mit Einheimischen gehabt, als sonst in unseren Urlauben. Zum einen haben wir bei ihnen gewohnt, zum anderen sind wir auf Tour oder am Felsen mit ihnen in Kontakt gekommen. Vor allem in Klettergebieten, die nicht typisch touristisch sind, sondern eher nur von Einheimischen besucht werden.
  • Wir haben sehr viel über die Region und ihre Menschen erfahren. Das resultiert natürlich aus obigem Punkt und hat uns sehr gefallen. Grund ist aber auch, weil wir dafür einfach mehr Zeit hatten. Ich glaube insgesamt wirkten wir sehr entspannt und so haben sich die Menschen in unserer Umgebung gern auf ein Schwätzchen eingelassen.
  • Wir haben die Menschen auf unserer Reise überrascht. Oftmals kamen wir auf das Thema Langzeitreise zu sprechen und viele waren erstaunt, wie wir zwei Monate im Alpenraum finanziell stemmen können. Das haben sie gezielt nachgefragt. Nach unseren Erklärungen über wie, warum und überhaupt, war das Langzeitreisen einigen von ihnen gar nicht mehr so fern. Das heißt nicht, dass jemand gleich am Abend noch die Koffer gepackt hat und am nächsten Tag mit uns mitfuhr, jedoch war bei dem ein oder anderen eine Idee im Kopf geboren. Und das ist doch schon ganz viel wert!
  • Wir haben Alltag ins Reisen gebracht. Ortsunabhängig auch Orgakram erledigen, ist eine neue Erfahrung. Sonst haben wir Büroarbeiten vor und nach dem Urlaub erledigt, jetzt passiert dies parallel: Rechnungen bezahlen, Anmeldungen online tätigen, Flüge buchen, Wohnungsinserate zur Zwischenmiete erstellen. Das teilt die Zeit in Urlaubs- bzw. Freizeittage und Alltage. Da Maik meistens zweieinhalb Tage pro Woche arbeitet, habe ich meine Orga auf die gleichen Tage gelegt. Somit hatten wir bewusst vier Tage freie Zeitgestaltung, die wir meistens im Auto wohnend verlebt haben und zwei bis drei Tage in einer festen Behausung mit Internet.
  • Wir haben mehr Freunde unterwegs getroffen, als jemals zuvor. Viele Neue sind hinzugekommen, aber vor allem schon lange bekannte Freunde haben uns ein Stück auf unserer Reise begleitet. Neben Freunden aus der Heimat konnten wir auch Freunde aus der Ferne nach langer Zeit wieder sehen. Wir haben uns teilweise ‚in der Mitte‘ getroffen oder Verwandte zu Haue besuchen können. Ich hoffe, dass Freunde unterwegs treffen immer so weiter geht!


Nun ist diese Reise vorbei. Aber alle wissen ganz genau: Nach der Reise ist vor der Reise 🙂 Doch bevor es weitergeht, freuen wir uns auf zu Hause sowie Familie und Freunde – denn die sind bekanntlich immer eine Reise wert!

  1. Holger Berthold

    Sehr schön!

    Noch besser: meine Daten sind schon vorbereitet, Wahnsinn, so gefällt mir das.

    Wo befindet ihr euch jetzt?

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