Kanada

DIE ROCKY MOUNTAINS – VON NORD NACH SÜD

Wir landen auf einem kleinen Zeltplatz südlich von Jasper. Aus der Ferne hören wir jemanden aus dem Wald brüllen. Mitchel, so sollten wir später erfahren, ist hocherfreut, Tramper anzutreffen und stürzt mit einer Pulle Scotch auf uns zu. Drei Schnaps später sitzen wir in großer Runde ums Feuer und erfreuen uns an guter Gesellschaft. Unsere neue Gang, bestehend Australiern, Franzosen, Kanadiern, Amerikanern usw. hätte nicht bunter gemischt und unser Empfang in den Rockies somit nicht besser sein können.

Wir befinden uns in Reichweite von der ca. fünf Kilometer entfernten Stadt Jasper. Diese ist durchaus touristisch, allerdings auf einem angenehmen Niveau, da sie neben der ca. 150 Kilometer entfernten Touristenhochburg Banff, nicht ganz so viele Leute anzieht.

Jasper ist eher mit einem kleinen Bergsteigerdorf zu vergleichen und gerade mal zwei Kilometer lang. Die meisten Leute sind hier, um Vorräte aufzustocken. Es gibt sogar einen richtigen Bäcker und einen großen, grünen Park vor dem National Park Infocenter. Letztere haben für gewöhnlich WLAN. Gepaart mit frischen Backwaren und Kaffee lässt es sich gut aushalten.

Seit wir in den Rockies angekommen sind, fühlen wir uns wie zu Hause. Auch die Zeit scheint langsamer zu vergehen und wir haben mal wieder die Zeitzone gewechselt. Ein Gebirge, das eine komplette Zeitzone für sich beansprucht, ist für uns definitiv neu.

Die uns umgebenden Berge erinnern an die östlichen Alpen, bestehend aus Kalkgestein. Nur deutlich steiler und verlassener. Der Wald in den Tälern ist nicht zu durchdringen und die Farbe der Seen und Flüsse schimmert selbst bei sehr schlechtem Regenwetter türkis. Zahlreiche Gletscher umgeben uns, obgleich sie in selbem Maße vom Klimawandel beeinflusst sind wie die unsrigen und die Auswirkungen ähnlich erschreckend.

In den Tälern tummelt sich eine artenreiche Tierwelt. Elche, Rentiere, Koyoten und viele Schwarzbären und Grizzlys dominieren den Wald; Stachelschweine, Erdmännchen und nicht zuletzt Streifenhörnchen, die Schlafplätze. Da gilt es hier und da das eigene Essen zu verteidigen, wenn man nach einem unachtsamen Augenblick das Streifenhörnchen dabei ertappt, wie es gerade das Erdnussbutterglas aufschraubt und aggressiv als Eigentum verteidigt.

Weniger aggressiv sind bisher glücklicherweise die Bären. Dennoch ist es dringend notwendig, das Essen wegzusperren. Andererseits kann es durchaus vorkommen, dass vor allem unerfahrene junge Bären nicht vor Zelten und Autos Halt machen. Leider sind an Menschen gewöhnte Bären eher ein schlechtes Zeichen. Nicht selten blockieren Touristen ganze Highways, um Fotos zu schießen oder schlimmstenfalls ihr Fastfood an die wilden Tiere zu verfüttern. Mit Essen vertraute Bären müssen nicht selten per Hubschrauber zurück in die Wildnis geflogen oder letztlich gar erschossen werden.

Auf unseren Erkundungen und Wanderungen in den Bergen sehen wir wiederum nur selten Bären. Unterhalb der Baumgrenze gilt es möglichst viel Lärm zu machen, um nicht versehentlich in einen hineinzulaufen. Sobald man die Baumgrenze erreicht hat, ist es unwahrscheinlich, Bären zu treffen, dafür gibt es dann diverse Bergkatzen.

Wir verbringen schließlich knappe zwei Wochen in der Region und besteigen unter anderem den Mount Whistlers, den Hausberg bei Jasper.

In der Umgebung gibt es außerdem diverse Gletscher und Gletscherseen zu bestaunen und so machen wir uns zum höchsten Berg der kanadischen Rockies auf: Mount Robson mit 3.954 Metern. Steilwände in allen Himmelsrichtungen und riesige Gletscherzungen sowie ein tiefverschneiter Gipfel lassen den Mount Robson nahezu unbezwingbar erscheinen. Wir steigen zwei Tage lang ca. 30 Kilometer und 2.000 Höhenmeter zum größten der Gletscherseen, dem Berg Lake, auf. Auf dem Weg nach oben gibt es immer wieder „Shelter“, mehr hölzerne Unterstände, als Hütten, aber zumeist mit einem Ofen, so dass die Abende stets gemütlich verlaufen.

Wir schlafen direkt vor den Gletschern und dennoch sind die Nächte überraschenderweise wärmer als gedacht. Nur zum Ende zieht eine Regenfront auf und ein kräftiger Wind bläst von den Gletschern. Wir steigen schnell wieder ab und sind an unserem letzten Schlafplatz heilfroh, als in den Abendstunden (so richtig dunkel ist es erst ab Mitternacht, hell wird es gegen vier Uhr) die Sonne noch einmal hervorguckt und wir die klatschnassen Sachen noch trocken bekommen.

Die kommenden Tage organisieren wir uns erneut in Jasper und sitzen ein paar Regentage aus. Sobald die Sonne vorbei schaut, wird es schlagartig heiß und wir merken, dass wir im Juli angekommen sind. Unsere weitere Route führt uns in die südlichen Rockies Richtung Banff. In Lake Louise machen wir einen kurzen Zwischenstopp, um dem „Trail der sechs Gletscher“ zu folgen. Eine Kulisse, die trotz andauernder Tiefdruckfront einen Besuch wert ist.

Ansonsten ist Lake Louise von Touristen überschwemmt. Deshalb beschließen wir, die vermeintliche Hauptatraktion Banff zu überspringen und uns die Zeit aufzusparen. Mittlerweile haben wir mehr als die Hälfte unserer viermonatigen Reise hinter uns gelassen. Mit sieben verbleibenden Wochen und etlichen potentiellen Zielen im Kopf, beginnen wir so langsam unsere Tage zu zählen und intesiver zu planen.

Es ist leider immer wieder schwierig, sich von den schönen Plätzen und Leuten zu verabschieden, da die Tage sehr lang sind und wir nach getaner Arbeit ewig an den Lagerfeuern sitzen. Chris, ein neu gewonnener Freund aus Australien, begleitet uns diese Tage noch etwas und so fahren wir weiter Richtung Südwesten, in den Yoho National Park.

Der Iceline Trail führt uns über mehrere Stunden an beeindruckenden Gletschern entlang. Im Winter sind die meisten Gipfel per Ski zu erreichen. Generell sind die Rockies vollgestopft mit Klettergebieten und Skitouren und wir überlegen jetzt schon, welches Equipment bei einer zukünftigen Kanadareise nicht fehlen darf.

Fürs Erste sind wir auf Erkundungstour und so zieht es uns nach ein paar Tagen weiter Richtung Golden und den Glacier National Park.

Golden ist die erste Kleinstadt, die wir passieren, welche den Charme von Westküste inne hat, oder zumindest was wir uns bisher darunter vorstellen. Hippe Mitmenschen, zumeist braungebrannt und mit coolen Klamotten und Zeugs. Dazu in der Regel äußerst zuvorkommend, kommunikativ und weltoffen.

Golden ist die erste Stadt, die auf unserer Reise in British Columbia liegt. Während das weiter östlich gelegene Alberta vom Bergbau geprägt eher stark konservativ erscheint, soll es sich bei BC um eine ziemlich linke Provinz handeln, die zudem auch noch sehr wohlhabend ist. Beides stellen wir in den ersten Tagen fest. Die Leute sind nett und haben Ansichten, die man teilen könnte. Ins Hostel geht man aber besser nicht, es sei denn, man verspürt den Drang, das Dreifache vom Normalpreis zu zahlen. Nicht grundlos kommen die bereits erwähnten „Québexicans“ zur Obst- und Gemüseernte ans andere Ende des Landes gereist.

Bis nach Vancouver gibt es für uns noch über 500 Kilometer zu überwinden und der Zeitplan sieht mindestens drei Wochen Vancouver Island vor. Ob und wie wir unsere Zwischenziele bis dahin erreichen, gibt es hoffentlich in einem weiteren Beitrag bald nachzulesen.

  1. Petra & Jörg

    Da fällt uns nix mehr ein! Außer: jetzt wissen wir, wo der Sinn des Lebens her kommt 😀🏞…ihr macht alles richtig… LG von zu Hause

  2. Andreas

    Richtig schön…. Grüße diesmal aus der schwedischen Provinz.

    Beste Grüße Andreas und Jasper

  3. Schön wieder von euch zu lesen! Ihr habt das ganze tatsächlich noch intensiver erlebt als ich – glaube ich zumindest. (Derweil ich mich mit Dinosaurierausgrabungen, Tornados und endlos scheinenden Bergen in der Prärie beschäftigt habe. Zur Abwechslung geht es ja bild wieder in den Wald)

    • Jana

      Ja, wir haben uns in den Rockies viel Zeit gelassen. Ist aber auch zu schön hier! Gerade verlassen wie diese und reisen nach Rossland, vier Kilometer von der US-Grenze entfernt.
      Wie fährt es sich so im Tornadogebiet mit dem Rad?!?

  4. Kayo

    Hallo liebe Jana und Maik, es sind alle unglaublich schönen Bilder. Bin sehr neidisch! We’re getting heat wave in the U.S. right now. So you guys are in the right place for this summer! Wir wuenschen Euch weitere gute Reise mit viel Spass und freuen uns, Euch hier zu folgen. Liebe Gruesse, Kayo

    • Jana

      Danke, liebe Kayo! Wir waren ja alle gemeinsam in den Rockies, nur jeweils auf der anderen Seite der Grenze. 😎 Seit gestern ist hier auch sonniges Wetter für mehrere Tage angesagt, zum ersten Mal für uns seit Mai. Es gibt nur ein bis drei kurze Schauer am Tag. Dafür insgesamt weniger Waldbrände und Rauch, das gefällt.
      Ist eure Reise nun zu Ende? LG Jana

      • Kayo

        Geniesse die sonnigen Tage! Tja, unsere Reise ist leider vorbei, aber wir hatten eine tolle Zeit. Insgesamt fuhren wir ueber 4,800 km (3,000 miles) in 16 Staaten… Clorado was a beautiful state, we loved their diverse landscapes. Es ist uebligens eine gute Idee, eure Reiseberichte im Blog wie hier zu fuehren. LG Kayo

        • Jana

          Wow, da sind auf eurer Reise ja ein paar Meilen zusammengekommen! Respekt. Ja, dieser Blog ist ganz schön, auch, um selbst die ganzen Eindrücke nicht zu vergessen. Ihr solltet selbst darüber nachdenken 😎.

  5. Jana Grund

    Ganz liebe Grüße aus der Markkleeberger Schnippelbude. Die Landschaft ist einfach traumhaft. Da hat man Lust sofort los zu fliegen / fahren / laufen..:) ….na ihr wisst schon. Passt gut auf euch auf. Liebe Grüße Jana und Bodo

  6. Ines & Erik

    Und da ist es doch wieder passiert … die Aufnahmen von Euch flashen einen wieder um ein Vielfaches … Wahnsinn !!!
    Diese auf uns wirkende noch fast unberührte raue Natur, ein riesengroßes Netzteil, wo man seinen eigenen Akku richtig aufladen kann.
    Auch der Shelter mit „integriertem Räucherofen“ einfach genial.
    Diese Artenvielfalt an Flora und Fauna …
    Wir wünschen Euch noch weiterhin eine schöne Zeit, mit vielen atemberaubenden Eindrücken.

    • Jana

      Vielen Dank ihr beiden für die lieben Worte und fürs Mitlesen! Es bleibt in der Tat allzeit aufregend und spannend. Gerade sitzen wir auf der Fähre und fahren von Vancouver nach Saltspring Island. Ein Zwischenstopp vor Vancouver Island, unserer letzten Etappe in Kanada.

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