Kanada

BEAUTIFUL BRITISH COLUMBIA

Nach einem Monat in den Rocky Mountains geht es munter weiter in den bergigen Regionen. Das liegt zum einen an der geografischen Lage, denn bis Vancouver sind es noch 1.000 hügelige Kilometer, zum anderen an unseren Präferenzen und den Empfehlungen der Locals. Letztere haben uns bisher nie enttäuscht.

Auf unserem Weg ‚gen Westen stoppen wir für ein paar Tage in Revelstoke. Revelstoke, eher bekannt für seine phantastischen Skiberge, ist im Sommer ein ruhiges Dörfchen, das einen Besuch wert ist. Um Kultur sehr bemüht, geben Musiker im Sommer an 59 aufeinanderfolgenden Abenden freie Konzerte auf der Plaza. Zwei kanadische Liedermacher haben wir mitgenommen, ehe uns das Wetter für die kommenden drei Tage in die nächstgelegenen Hot Springs treibt.

Wunderschöne Naturschauspiele dürfen wir auf der Fahrt bestaunen: Wir überqueren den Columbia River, welcher sich aus verschiedenen Gletscherbächen speist. Die umliegenden Berge und Ufergebiete erinnern an norwegische Fjorde. Steil stürzen diese dicht bewaldeten Giganten ins Wasser hinab. Der Fluss ist hier so breit, dass sich immer wieder größere Seen bilden.

Die Wettervorhersage für die nächsten drei Tage versprach extreme Nässe von oben und wir sollten nicht enttäuscht werden. Es regnete Hunde und Katzen und wir waren froh, dass unser Schlafplatz ein hölzernes Plateau im nassen Wald war. Endlich einmal Regen, der nicht stört, sondern vielmehr erwünscht ist! Denn so richtig lange können wir im 43 Grad heißen Wasser ohne den Regen im Gesicht nicht sitzen.

Es gibt diverse Naturbecken in den Halfway Hotsprings mit unterschiedlichem Temperaturangebot. So halten wir es zwei Tage lang entspannt in diversen Liege- und Sitzpositionen aus. Die Armbewegung vom Beckenrand zum Mund – wir haben uns mit Kirschen, Aprikosen und Co. aus dem benachbarten Okanagen Valley eingedeckt – wurde in dieser Zeit perfektioniert.

Apropos Futtern, unser Essensack wurde nach drei Monaten nun doch von Nagetieren angeknabbert. Haben wir bisher allabendlich unsere Lebensmittel in die Bäume gehängt, war ich an einem Abend zu faul und wurde sogleich bestraft. Maik mahnte noch, aber das half nix gegen meine Nachtfaulheit. So stand unser Beutel artig verschlossen am Boden und der Nager hat die Herausforderung zum Durchwühlen angenommen. Zwei halbe Bananen lagen am Morgen darin, die Tomaten im Wald verstreut, der Apfel war gänzlich verschwunden. Irgendwo im Wald lag da nun ein Nager und rülpste. Hoffentlich hat er Blähungen von dem ganzen Frischobst bekommen.

Ich selbst mag es nach wenigen Wochen danach kaum glauben, aber zwei Tage im heißen Wasser sind dann auch genug und wir nehmen Robs Angebot an, mit ihm und seiner Familie im Camper nach Rossland zu kommen und anschließend ein paar gemeinsame Tage an einem kleinen See in der Kootenay-Region zu verleben.

Rossland. Hier wären wir ohne die neue Bekanntschaft mit Rob von den Hot Springs nie gelandet. Er wohnt drei Kilometer von der US-amerikanischen Grenze entfernt, was uns jedoch noch immer nicht veranlasste, die Grenze zu überschreiten. Um uns herum bestes Winterpotential: hohe Berge, gutes Klima.

Mit dem ganzen Regen im bisherigen Sommer stoßen wir nun dezent auf Brüderschaft an. Denn die Sommer der letzten zwei Jahre waren stets mit Rauch konfrontiert. Dies ist nun der erste Sommer, in dem sich die Menschen draußen aufhalten können. Für gewöhnlich sitzen die Westkanadier seit Mai im Rauch der sie umgebenden Waldbrände mit Feuerverbot und der Empfehlung mit dem Atmen langfristig aufzuhören. Es schmerzt in den Lungen, wird oftmals berichtet. Da gewinnt doch der Regen in diesem Jahr eine neue Bedeutung. Das heißt natürlich nicht, dass es keine Waldbrände gibt, aktuell sind ein paar Dutzende nördlich von uns aktiv, einige davon sehr groß. Wer sich für die Feuerentwicklung interessiert, kann sich auf der Website FireSmoke Canada die Rauchvorschau selbst ansehen.

Wir verbringen die Zeit in Rossland mit Mountainbiken. Mit Rob haben wir einen weiteren Local kennengelernt, der ein übermäßig großes Grundstück sein eigen nennt und das in einem exzellenten MTB Gebiet. Später soll hier mal eine Anlaufstelle und Zeltplatz für Zweiradenthusiasten entstehen.

Ein 15 Kilometer langer Trail liegt direkt hinter seiner Haustür. Der Aufstieg hat es in sich und fast am Gipfel angekommen, zwingt uns eine Schwarzbärin inklusive Familie zur frühzeitigen Abfahrt. Bären sind generell kein Problem, und so auch in diesem Fall, solange man sie eben ihr Ding machen lässt und nicht zwingend versucht, ein Selfie zu schießen.

Nach der gemeinsamen Zeit mit Rob zieht es uns schließlich weiter. Nächste Anlaufstelle ist das Okanagen Valley westlich der Rockies. Die Einfahrt wird uns nicht nur von einer bezaubernden Landschaft und steigenden Temperaturen versüßt. Nein! Ein Mitglied des kanadischen Parlaments und einer sehr großen und durchaus sympathischen Partei, hat es sich zur Aufgabe gemacht, uns ein Stück mitzunehmen.

Nach dieser Fahrt wissen wir alles über die Region, haben an allen fotogenen Ausblicken gehalten und wilde Aprikosen gegessen. Wir erfahren auch, dass es in Kanada rund 60 indigene Sprachgruppen (First Nations) gibt, davon leben 40 allein in British Columbia. Somit gibt es hier Orte mit Namen wie „c̓išaaʔatḥ“  – wer kann ’s aussprechen?

Das Okanagen Valley ist die ‚Wüste‘ Kanadas. Auf den Bergen gibt es wenig Vegetation, in den Tälern herrscht überwiegend Obstanbau. Optisch und klimatisch kann man sich keinen größeren Kontrast zum restlichen Kanada vorstellen.

Das heiße Klima finden auch die Kanadier aus anderen Teilen des Landes toll, weshalb viele von ihnen im Juli ihre Ferienzeit dort verbringen. Wir sind demnach nicht allein und entschließen uns schon nach zwei Tagen, den Urlaubern das Feld zu überlassen. Auch sind wir die Hitze nicht gewohnt, beim Wandern in den Bergen gibt es keinen natürlichen Sonnenschutz.

Unsere weitere Strecke Richtung Vancouver verläuft über den Manning Provincial Park und Abbotsford, wo wir den letzten Freund aus alten Zeiten, Olivier, besuchen. Seine ganze Familie kümmert sich rührend um uns und wir bleiben gleich zwei Tage, ehe uns Olivier nach Surrey fährt, wo der Nächste auf uns wartet.

Abbotsford haben wir kaum gesehen, dafür sind wir im Suicide Canyon baden gewesen und haben ein Wochenende Familienleben ‚mitleben‘ dürfen. Nach unserer Anfangszeit in Québec im Mai haben wir keine Person mehr mit Bezug zu meiner Jugendzeit in Kanada getroffen. Desto schöner war, es mit Olivier im Westen des Landes das Wiedersehen-Gefühl aufleben zu lassen. Die Zeit in Abbotsford war kurz und sehr, sehr schön.

Wie schon erwähnt, ging es Schlag auf Schlag weiter. Der ein oder andere mag sich erinnern, dass wir im Zug nach Edmonton Steve kennengelernt haben. Er lud uns nach Surrey ins Haus seines Bruder ein, was wir dankend annahmen. Tagsüber streiften wir durch die City und die Abende haben wir mit den beiden verbracht.

Vancouver besuchten wir bisher an zwei Tagen. Am ersten Tag sind wir in die falschen Stadtteile (Downtown) eingebogen und haben extrem viele Obdachlose und Abhängige auf den Straßen gesehen, quasi einen Schnelldurchlauf in Drogenkunde erfahren. Diese Bilder sind im Osten Kanadas aufgrund der winterlichen Kälte und der geringen Überlebenschancen nicht in dem Ausmaß vorhanden.

Tagsdarauf, andere Viertel, andere Welt, Grün-Strand-Skyline und dennoch vergisst man nicht so leicht, was einen Kilometer weiter östlich in der Stadt so passiert. Alles erscheint clean und heile. Ansonsten ist Vancouver wie alle kanadischen Städte kulturell vielfältig, allerdings überwiegen die Menschen asiatischen Ursprungs.

Vancouver erfährt zudem eine Gentrifizierung, die ihres Gleichen sucht. Es reicht nicht mehr aus reich zu sein, um sich in der Stadt eine Wohnung zu leisten. Der größte Teil der Bevölkerung wohnt demnach im Umkreis von ca. 100 Kilometern um die Stadt gelegen und fährt mit dem „Skytrain“ täglich ins Zentrum hinein.

Den Strand direkt in der Stadt zu haben, ist natürlich eine super Sache. Sonne, Strand und Meer – das Californien Kanadas lässt sich wiederum sehr gut aushalten. Vancouver ist mitten in den Wald gebaut und die Berge und National Parks reichen bis in die Stadt hinein. Noch ein Pluspunkt ist der frische Fisch. Jeden Tag gibt es lecker Sushi, insgesamt kann man hier in kulinarischen Dingen nichts verkehrt machen.

Am dritten Tag in Vancouver haben wir bereits die Fähre zu einer Insel der Gulf Islands vor Vancouver Island genommen. Erste Anlaufstelle wird Salt Spring Island sein, auf die sich in den 70er Jahren Kriegsverweigerer und Hippies ‚geflüchtet‘ haben sollen und heutzutage noch zahlreich vorhanden sind.

Nicht zuletzt wollen wir in den restlichen Wochen noch einmal unseren zurückgelegten Weg Revue passieren lassen. Immerhin liegt der westlichste Punkt unserer Reise, die Westküste Vancouver Islands, zum Greifen nah und nur noch ein paar hundert Kilometer entfernt. Viele einmalige, spektakuläre Orte und Naturschauspiele kreuzten unseren Weg. Rund 8.000 Kilometer haben wir bis hierhin zurückgelegt, nur ca. ein Viertel davon und drei Tage unserer Zeit mit Hilfe öffentlicher Verkehrsmittel. Vancouver Island gehört wohl mit zu einem der wichtigsten Gründe unserer Kanadareise und wir sind schon sehr gespannt und freuen uns auf die nächsten Tage und neuen Entdeckungen.

  1. Katja

    Wie immer, wenn ich von euch lese, bekomme ich sofort Fernweh. Ich wünsche euch eine tolle Zeit und freue mich schon, euch bald wieder zu sehen.

  2. Andreas

    liebe Jana, lieber Maik

    so schön zu lesen, dass es euch so gut gefällt! ich würde einfach nicht ins flugzeug steigen…

    freue mich aber auch schon auf das wiedersehen. weiterhin viel spass!

    herzlich, Andreas & Family

Schreibe eine Antwort auf Antworten abbrechen